Blutegel-Therapie

Blutegel werden bei verschiedenen körperlichen Beschwerden, wie z. B. schmerzenden Beinen, Tennis-Ellbogen u. a. m., an geeigneter Stelle angelegt, so dass sie einen kleinen Aderlass von ca. acht bis zehn Milliliter Blut herbeiführen. Nach dem Biss gibt der Egel Substanzen ab, welche die Ausbreitung des Speichels im Körper begünstigen. Danach werden blutgerinnungshemmende Enzyme abgegeben, schlussendlich entzündungshemmende Substanzen. Diese physiologischen Vorgänge, welche sich im Verlauf der Auseinandersetzung zwischen Egel und Patient entwickeln, werden therapeutisch genutzt.

Die Wirkung der Blutegel geht weit über die lokale Blutentziehung und ihre entstauenden Effekte hinaus. Während des Saugens gibt der Blutegel Wirkstoffe ab, unter anderem Hirudin (gerinnungshemmend), Hyaluronidase, Apyrase, Kollagenase und Egline (entzündungshemmend, antiseptisch). Diese Stoffe bewirken eine Verminderung der venösen Stauungen.

Der Blutegelspeichel besteht wahrscheinlich aus mehr als 100 bioaktiven Substanzen, wovon heute nur knapp 25 bekannt sind. Die bekanntesten sind: Hirudin (hemmt die Blutgerinnung stärker als Heparin), Eglin (entzündungshemmend), Hyaluronidase (löst das Bindegewebe auf), Calin (hemmt die Aggregation der Thrombozyten und verursacht die lange Nachblutung), Destabilase M (löst Blutgerinnung), Destabilase L (wirkt antibiotisch) usw.

In meiner Therapie verwende ich Blutegel der Firma Hirumed GmbH, CH-9500 Wil. Dort werden zwei Spezies gezüchtet: Hirudo medicinalis und Hirudo verbana. Die Blutegel dürfen jeweils nur einmal verwendet werden.


Wirkungsmechanismen


Medizinische Verwendung

  • Plastische und rekonstruktive (wiederherstellende) Chirurgie
  • Venöse Stauungen bei Replantation (Wiedereinpflanzung) und
  • Freier Lappentransplantation
  • Lymphstauungen bei Mamma Rekonstruktion
  • Blutergüsse (Hämatome)

Traditionelle Anwendungen

  • Venöse Stauungen und Venenentzündung (Krampfadern)
  • Hämorrhoiden
  • Angiopathie bei Diabetes Mellitus (nicht insulinpflichtig)
  • Arthrose
  • Muskelverspannungen und Myalgie
  • Verstauchungen und Zerrungen
  • Tinnitus
  • Kopfschmerzen
  • Dysmenorrhoe
  • Furunkel, Karbunkel und Abszess
  • Angina pectoris
  • Apoplexie (Hirnschlag)
  • Herpes zoster (Gürtelrose)
  • Hypertonie (Bluthochdruck)